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Mit der Faust in die Welt schlagen

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EAN / 13-stellige ISBN: 978-3550050664
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Rezensionen

full star full star full star full star full star full star full star   Realistisch
Ein kleines Dorf im Osten Sachsens im zweisprachigen Gebiet, nicht weit von der polnischen Grenze entfernt. Tiefste Provinz. Nach der Wende verlieren die Menschen ihre Arbeit, ihre Freunde, ihre Ziele. Jedes neu gebaute Autohaus wird als Aufschwung bejubelt. Dort wachsen die Brüder Philipp und Tobias auf. Erleben den Hausbau der Eltern, das Schließen der Schule und der Geschäfte im Ort, den Tod des Großvaters und die Scheidung der Eltern. Ein Dorffest ist der Jahreshöhepunkt.

Das Buch ist pure Realität von den abgehängten Dörfern ohne blühende Landschaften, von dem Ausbluten der Dörfer durch den Wegzug in den Westen oder wenigstens in größere Städte und von den übriggebliebenen abgehängten Menschen, besonders ältere Leute und junge perspektivlose Männer. Es ist sehr trocken geschrieben, meistens ohne Bewertung. Es ist eine Beschreibung der wirklichen Entwicklung und der Gefühle der Menschen. Ich fürchte nur, es wird von den Verantwortlichen nicht gelesen werden und es wird weiterhin nur eine schwarz-weiße Beurteilung geben.
08.10.2018, raschke64
full star full star full star full star full star empty star empty star   Mit der Faust in die Welt schlagen
Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Und findet es.

Sprachlich konnte mich dieser Roman gleich von der ersten Seite ab  begeistern. Der Schreibstil ist eindringlich und direkt, konnte mich trotz seiner Knappheit gut in das Geschehen hineinversetzen.
Die beiden Brüder waren durch den Erzählstil gleichzeitig nah und doch seltsam distanziert, was gerade beim Fortschreiten der Handlung Spannung aufbauen konnte.
Zum Inhalt bin ich eher zwiegespalten, ich habe wahrscheinlich mehr erhofft.  Ich empfinde die Perspektive als sehr nüchtern, was der Story einen extrem interessanten Standpunkt verschafft. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass einige Zusammenhänge, und v.a. die Radikalisierung (bzw. die Schritte dazu) in zu weiten Sprüngen erzählt wurden. So habe ich für mich den fortschreitenden Prozess gar nicht richtig wahrnehmen können,sondern habe mich am Ende des Buches gefragt, warum genau es denn nun dazu kam...
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, ich fand es eindringlich und packend. Dennoch konnte es dem Hype in meinen Augen nicht gerecht werden.
07.10.2018, CanYouSeeMe
full star full star full star full star full star full star full star   Zwei Brüder, ein Dorf in Ostsachsen und eine Wut, die immer größer wird.
Manch einer beginnt zu hassen. Lukas Rietzschel beschreibt in seinem Roman die Entwicklung vom "normalen" Jugendlichen zum Nazi in Sachsen. Wie wird man Neonazi? Glaubt man dem Autor, kann das in Sachsen ganz leicht passieren. Irgendwie so ganz nebenbei. Seine Protagonisten Philipp und Tobias wachsen in der sächsischen Provinz auf - Neschwitz heißt der Ort in der Lausitz. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, geschlossene Fabriken, Plattenbauten, Abwanderung - Verfall. Am Ende brennt die geplante Flüchtlingsunterkunft. Der Roman wirft einen Blick auf das Bundesland, das vielen in diesen Zeiten Rätsel aufgibt. Pegida, Heidenau, Freital und zuletzt Chemnitz. Der Fremdenhass scheint sich immer wieder dort besonders Bahn zu brechen. Und keiner vermag wirklich erklären, warum immer wieder Sachsen? Auch Lukas Rietzschel kann diese Antwort nicht geben. Aber der Autor zeigt dem Leser in seinem neuen Roman einen Ort, der trister kaum sein kann. Die einen verlassen das Örtchen Neschwitz in Rietzschels Geschichte und ziehen gen Westen, die Zurückgebliebenen trinken - und manch einer beginnt zu hassen. Philipp und Tobi verbringen eigentlich eine ganz normale Jugend, wachsen in den 2000ern auf. Sie haben Angst vor Krieg, als 2001 die Flugzeuge in die Twin Towers fliegen. Die Jungs verstehen, dass ihr Vater bei der Nachbarin nicht immer nur Rollos repariert. Sie haben Angst in der Schule. Irgendwann stirbt der Opa. Doch auch Sachsen prägt sie: Sie mögen die Sorben nicht, das schickt sich in Neschwitz. Sie sehen, was Crystal Meth aus einem guten Freund machen kann. Sie lernen früh das Wort Stasi. Und sind fasziniert von Menzel und den anderen Typen, die immer mit dem Auto vor der Schule rumhängen. Eines Tages ist da ein riesiges Hakenkreuz auf einem großen Findling vor der Schule. Keiner vermag den Brüdern erklären, warum das verboten ist. Die Neugierde wächst. Der Ältere schließt sich der Gruppe rund um Menzel an - sie trinken und träumen von einem anderen Deutschland. Bald stößt auch der Jüngere dazu. Irgendwann landet ein totes Schwein auf dem Haus einer Familie, die ein türkisches Mädchen adoptiert hat. Dass Tobi und Philipp irgendwann bei den Rechten landen, lässt den Leser ratlos zurück. Keiner von beiden hat gesteigertes Interesse am Nationalsozialismus, beschäftigt sich irgendwie tiefer mit der Ideologie der Rechten. Da ist dieses Gefühl, Opfer zu sein, abgehängt - und dass das Fremde böse ist. Und spätestens das Jahr 2015 wird zum Wendepunkt - mit den Flüchtlingen kommt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Aber schließlich stellt sich auch die Frage: Hätten Menzel und seine Kumpels bunte Haare und ein Faible für die Sex Pistols, wären aus den beiden Brüdern Punks geworden? Ist es nur die Zugehörigkeit zu einer Gruppe - Langeweile, Abenteuer, Frust? "Mit der Faust in die Welt schlagen" gibt dem Leser ein Gefühl für eine Region Deutschlands, in der das Vergangene das Heute prägt. Und in der die Menschen einer Heimat nachhängen, die früher viel besser zu sein schien. Lukas Rietzschels Roman ist eine Chronik des Zusammenbruchs, hochaktuell – und ein Stück beklemmender, politisierter Literatur! Vom Stil her gut zu lesen, reicht der Inhalt von unterhaltsamen und bissigen Episoden bis hin zu heftigen Erinnerungen, die noch Jahrzehnte später ihre Auswirkungen zeigen - sowohl persöhnlich, als auch familiär. Es wird beschrieben, der Leser kann mitdenken und fühlen, es findet jedoch keine Anklage statt. Ein Buch, über das ich mir jetzt noch Gedanken mache. Eine hochaktuelle literarische Auseinandersetzung mit unserem zerrissenen Land.
06.10.2018, Inge Weis
full star full star full star full star full star full star full star   MEIN APPELL: LEST DIESES BUCH UND REDET MITEINANDER!
Neschwitz, so heißt der Ort der Handlung und befindet sich nordwestlich von Bautzen in der sächsischen Oberlausitz. Es ist auch das Siedlungsgebiet der Sorben, auch Wenden genannt, die im Buch eine Rolle spielen. Die Landeshauptstadt Dresden ist ca. 60 km entfernt.
Mir fiel es sehr leicht in das Buch hineinzukommen. Für mich besticht es durch seine bündige, ab und zu verknappte, präzise Sprache. Der sehr junge Autor (Jahrgang 1994) erzählt aus der Draufsicht, wertet nicht, läßt seine Worte wirken. Seine Schilderungen sind detailreich und erzeugten bei mir eine bedrückende Atmosphäre. Für mich stand vieles zwischen den Zeilen. Die Thematik beschäftigte mich weiter, wenn ich das Buch aus der Hand gelegt hatte. Ich vermute, dass Lukas Rietzschel eine Menge von seinem eigenen Erleben mit in den Roman eingebracht hat, da sein Geburtsort in der Nähe von Neschwitz liegt.
Der Roman ist in drei Teile/Bücher gegliedert: Buch 1 - die Jahre von 2000 bis 2004, Buch 2 - 2004 bis 2006, Buch 3 - 2013 bis 2015. Die Handlung erstreckt sich also über 15 Jahre. Es beginnt mit dem Hausbau der Familie Zschornack, elf Jahre nach der Wende. Der Vater ist von Beruf Elektriker, die Mutter Krankenschwester. Sie haben zwei Söhne, beide in den 90er Jahren geboren. Philipp ist der Ältere und Tobias, genannt Tobi, ungefähr im gleichen Alter wie der Autor. Alles scheint zunächst in Ordnung zu sein. Aber unter der Oberfläche eines normalen Alltags brodelt es gewaltig. Recht bald empfand ich die Tristesse, die Langeweile, die aus fast jeder Zeile spricht. Mich berührte sehr unangenehm die Sprach-, ja irgendwie Teilnahmslosigkeit der Erwachsenen. Die Großeltern und Eltern der Jungen hätte ich schütteln mögen. Warum werden die Fragen der Kinder nicht beantwortet? Das Umfeld wirkt wie erstarrt und es erfolgt kein normaler, geschweige altersgerechter Umgang mit den Kindern, weder zu Hause noch in der Schule. Philipp und Tobias erhalten keine Antworten auf ihre Fragen, ihre Probleme. Nicht zum Zustand des Nachbarn Uwe, nicht zu den rußgeschwärzten Wänden des Ausländerwohnblocks in Hoyerswerda, keine Erklärungen zu Wörtern, die als Schimpfworte benutzt werden wie „Jude“, „Judensau“. Hakenkreuzschmierereien werden vor der Schule zugehangen von einer Lehrerin! Es wird viel zu viel totgeschwiegen, ignoriert, unangenehme Situationen werden vermieden, man geht ihnen aus dem Weg, klärende Gespräche finden nicht statt, geschweige denn ein vernünftiger Meinungsaustausch. Vorherrschend sind Gleichgültigkeit, Abgestumpftheit, Desinteresse, Verharmlosung.
Lukas Rietzschel zeigt in „Mit der Faust in die Welt schlagen“ anhand der Heranwachsenden und jungen Erwachsenen in dem kleinen Lausitzort eine brandaktuelle Situation auf. Er beleuchtet mögliche Ursachen für den zunächst latenten und dann immer offener werdenden Rassismus. Er bringt jede Menge Erklärungsversuche für die Radikalisierung einer Gruppe von Jugendlichen, darunter die Brüder Tobias und Philipp Zschornack. Ihr „Anführer“ heißt Menzel, ein junger Erwachsener, ein Neonazi. Tobias läßt sich von ihm immer mehr beeinflussen, während es Philipp zum Ende hin gelingt, sich von Menzel zu lösen.
Ich fragte mich wiederholt: Woher kommt die unbändige Wut auf alles Fremde? Warum geht man auf die Sorben los, die schon ewig dort leben? Wie kommt ein junger Mann wie Tobias zu einer so unglaublichen Aussage:
„Es braucht mal wieder einen richtigen Krieg.“ S. 294
Meiner Meinung nach fühlt er sich von allen verlassen und gerät immer mehr in den Sog der Gewalt mit rohen, zerstörerischen Handlungen gegen Menschen und Sachen. Wer oder was kann Tobias noch stoppen? Das läßt der Roman offen.
Ein Roman kann nur bedingt die Wirklichkeit abbilden. Aber ich verstehe das Werk Rietzschels als Mahnung, als Aufforderung hinzuschauen. Dringendst notwendig erachte ich, dass in den Schulen mehr deutsche Geschichte gelehrt wird, vor allem die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg! Da hat unsere Jugend Nachholbedarf und große Defizite!

Das Titelbild des Buches ist durch das blaue Kreuz über das gesamte Cover sehr auffällig. Dahinter befindet sich ein Landschaftsgemälde (Hügel mit Bruchacker bei Dresden )– ein Bild vom bedeutendsten Künstler der deutschen Frühromantik, Caspar David Friedrich, um 1824 gemalt. Ich finde die Gestaltung sehr gut gewählt. Sie unterstützt den Inhalt des Buches, soll heißen, dass es keine Spur von Romantik, Poesie, Edelmenschentum mehr gibt. Auch das läßt viel Spielraum für Diskussionen.

Ich bin begeistert von dem reifen Werk, das Debüt!!!! des 24jährigen Lukas Rietzschel. Von mir die höchste Bewertung. Meine Empfehlung gilt für alle!
29.09.2018, Hennie
full star full star full star full star full star empty star empty star   Zwischen Tongruben und Steinbrüchen
Familie Zschornack hat es geschafft, nur elf Jahre nach der Wende können sie sich den Traum vom eigenen Häuschen erfüllen. Drastische Veränderungen gab es in dieser Zeit. Werke wurden geschlossen, Bewohner die ein Leben lang dort gearbeitet hatten standen nun auf der Straße. Wer das 40. Lebensjahr noch nicht erreicht hatte, konnten auf Umschulungen hoffen. Nachdem der Vater von Tobias und Phillip notgedrungen zwei Umschulungen und Weiterbildungen über sich ergehen lassen musste, weil sein Berufsabschluss nicht anerkannt wurde, ist er jetzt Elektriker und mit dem Gehalt seiner Frau, die als Krankenschwester arbeitet, scheinen sich für die Ostsachsen die blühenden Landschaften tatsächlich zu erfüllen. Ihre beiden Jungs können nun wohlbehütet aufwachsen…
Zehn Jahre später …“ Tobias fragte sich, was zuerst da gewesen war. Die Straßen, die die Orte umgingen und damit leer fegten. Oder die leeren Orte, an denen jeder vorbei fahren wollte?“
Vor den Weihnachtsbäumen saßen keine Familien mehr, nur alte Pärchen vor den Fernsehern.

„Mit der Faust in die Welt schlagen“ ist ein leises Porträt der Nachwendezeit in den überwiegend ländlichen Gebieten unserer Republik (ich möchte hier nicht den Osten besonders hervorheben, denn auch im Westen gibt es genau dieselben Szenarien). Es sind die vielen kleinen und großen Rückschläge der Bewohner. Althergebrachtes und auch Gewohntes verändert sich innerhalb kürzester Zeit. Strukturen lösen sich auf, Perspektivlosigkeit macht sich breit. In diesem Umfeld wachsen die beiden Jungen heran, sie erleben das Hochwasser bei Dresden, die Anschläge auf das World Trade Center und auch die „Flüchtlingswelle“ 2015. Eine Belastungsprobe, jahrelang wurde ihr kleiner Ort von der Politik vernachlässigt, doch nun ist Geld da um den Flüchtlingen eine Unterkunft zu bieten. Neschwitz sitzt auf einem Pulverfass, denn die Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungen und das Gefühl des „Abgehängtseins“ haben sich schon zu tief in der verbliebenen, vorwiegend jungen Bevölkerung breit gemacht. Lukas Rietzschel beschreibt dies auf eine eher nüchterne Art, die weder anklagt noch wertet. Ich habe jedoch lange gebraucht, seinen Schreibstil zu akzeptieren. Ich fand ihn äußerst emotionslos. Eine Anreihung von zumeist kurzen Sätzen und sprunghaften Szenewechseln. Dadurch konnte ich auch gar keine Beziehung zu den Protagonisten aufnehmen, sie waren seltsam farblos. Gestört hat mich auch, das alle Beteiligten irgendwie um den „heißen Brei“ reden. Probleme werden nicht explizit angesprochen und gegeben falls ausdiskutiert, deshalb weiß man als Leser sofort dass die Geschichte nur in einem Desaster enden kann. Genau hier fehlt mir der Tiefgang, das ist mir etwas zu eindimensional. Trotzdem finde ich, ist dem Autor ein wirklich beachtliches Debüt zu einem schwierigen Thema gelungen.
11.09.2018, anyways
full star full star full star full star full star full star empty star   Gewalt ist keine Option
Schornsteine, die nicht mehr rauchen, Überreste von Schienen und verlassene Fabriken erinnern an das Leben vor der Wiedervereinigung und erzählen davon, wie das Leben der Menschen früher verlaufen ist.
Im Jahr 2000 freuen sich Vater und Mutter mit ihren Söhnen Philipp und Tobias über den Neubau ihres Hauses   in Neschwitz, einer Kleinstadt in Sachsen,  und damit auch auf ihr neues Leben. Doch die Zukunft mit ihren Wünschen und Plänen sieht anders aus als in ihren Vorstellungen. Großen Anteil daran hat das Weltgeschehen.

Die Geschichte ist in 3 Bücher eingeteilt. Das erste erzählt aus den Jahren 2000 bis 2004, das zweite aus 2004 bis 2006 und das dritte aus 2013 bis 2015.
Der Autor, selbst in Ostsachsen geboren, erzählt die Geschichte eher sachlich und unverschnörkelt, aber realitätsnah.
Wie leicht man auf eine Bahn gerät, auf der man gar nicht sein möchte, und Dinge – auch mit eigener Beteiligung – geschehen lässt, nur um dazuzugehören, ist einfach erschreckend, wird aber sehr glaubhaft vermittelt.
Philipp und Tobias leben in einer Familie, in der keine Liebe zu spüren ist. Der Vater lässt offen seinen Fremdenhass spüren. Tobias, der Jüngste, muss erfahren, dass seine selbstgemachten Geschenke nichts wert sind. Das lässt ihn so wütend werden, dass er sie nicht verschenkt, sondern mit den Füßen zertrampelt. Irgendwann gibt es  keine Perspektiven mehr.
Der Bezug zum Weltgeschehen, besonders die Aufnahme vieler Flüchtlinge und das Zusammenleben mit ihnen, ist ein Problem vieler Menschen, nicht nur in Sachsen, sondern leider in unserem ganzen Land.
Am Ende des Romans angelangt und durch das Beispiel das Wissen zu haben, wie sich Hass aufbauen kann, verstehe ich, dass man manchmal am liebsten „Mit der Faust in die Welt schlagen“ möchte.
Doch Gewalt ist keine Option!
Die hochaktuelle Geschichte lässt mich nachdenklich zurück.
Sehr empfehlenswertes Buch!
07.09.2018, liesmal
full star full star full star empty star empty star empty star empty star   Weiterhin bleibe ich ohne Verständnis für ostdeutsches Befinden
Dass der Autor erst 23 Jahre alt ist, hat mich überaus erstaunt. Zum einen wegen des Schreibstils, der eine eindringliche Wirkung hat, teilweise geradezu poetisch zu nennen ist. Aber auch wegen einer über allem liegenden Hoffnungslosigkeit im Buch, die man von einem jungen Menschen wie dem Autor nicht erwarten würde.

Wir befinden uns in Sachsen wenige Jahre nach der Wende. Tobias und Philipp sind Brüder, ihre Eltern starten mit einem Hausbau in ein neues Leben. Doch die DDR-Vergangenheit lässt sich nicht leugnen. Sie scheint über das Land einen permanenten Schatten der Perspektivlosigkeit geworfen zu haben, der die Menschen in eine uneingestandene Angst treibt, was nicht zuletzt am Thema Flüchtlinge in Wut umschlägt.

Ich konnte mit dem Buch wenig anfangen, auch wenn es gut zu lesen war. In seiner Tristesse war es mir als immer schon im Westen lebend keine Hilfe, auch nur einen Funken Verständnis zu entwickeln für die geschilderten Probleme der Menschen im Osten. Im Gegenteil. Das Buch machte mich zornig. Diese immanent passive Erwartungshaltung, „es“ möge besser werden, irgendwie, irgendwann, irgendwer soll es richten, das bessere Leben, das macht mich zornig. Das Leben selbst in die Hand zu nehmen statt nur Bier zu trinken und herumzuhängen, scheint wohl keine Option zu sein. Und die Schuld sucht man bei anderen, natürlich. Auch das macht mich zornig. Der Autor schildert eine Welt, die lethargisch und stoisch auf dem Elend des Alltags beharrt. Die chronische Grausicht, dieser nicht wegwischbare Grauschleier, der über allem liegt, und diese so unreif wirkende Schuldsuche bei anderen, zum Beispiel beim Thema Flüchtlinge, wurde mir vom Autor nicht wirklich nachvollziehbar erklärt. Ich weiß nicht, wofür dieses Buch gut sein soll. Höchstens vielleicht als Chronik des Scheiterns, wenn Menschen nicht gelernt haben, selbstverantwortlich zu handeln, sich Ziele zu setzen, Idealen nachzustreben. Verständnis für ostdeutsches Befinden hat mir das Buch jedenfalls nicht gebracht, eher noch mehr Kopfschütteln…
28.08.2018, heinoko

Klappentext

Zwei Brüder, ein Dorf in Ostsachsen und eine Wut, die immer größer wird

Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Und findet es.

Lukas Rietzschels Roman ist eine Chronik des Zusammenbruchs. Eine hochaktuelle literarische  Auseinandersetzung mit unserem zerrissenen Land.

Autoreninformationen

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen, lebt in Görlitz. 2012 wurde sein erster Text im »ZEIT Magazin« veröffentlicht, seitdem folgten Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien. 2017 war er Gewinner bei poet|bewegt. Für das Manuskript seines Romandebüts wurde er 2016 mit dem Retzhof-Preis für junge Literatur ausgezeichnet.

Artikeldetails

EAN / 13-stellige ISBN 978-3550050664
10-stellige ISBN 3550050666
Verlag Ullstein Verlag GmbH
Sprache Deutsch
Editionsform Hardcover / Softcover / Karten
Einbandart Gebunden
Erscheinungsdatum 7. September 2018
Seitenzahl 316
Format (L×B×H) 22,6cm × 14,5cm × 3,3cm
Gewicht 439g
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