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Leere Herzen

Autor: Juli Zeh
20,00 €
über 100 Stück auf Lager
Gebunden
EAN / 13-stellige ISBN: 978-3630875231
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Rezensionen

full star full star full star full star full star full star empty star   Wenn der Terrordienstleister Suizidität evaluiert
Mit  “Leere Herzen“ , ihrem neuesten Roman, führt Juli Zeh den Leser in eine nicht allzu ferne Zukunft. Angela Merkel ist abgesetzt. Es regiert in der zweiten Legislaturperiode die rechtsnationale islamfeindliche BBB unter Regula Freyer. Die früheren Anhänger der Traditionsparteien gehen nicht einmal mehr zur Wahl. Die Menschen haben keine Prinzipien und Überzeugungen mehr. Sie haben sich vollständig ins Private zurückgezogen und glauben nicht mehr an die Möglichkeit, die Welt zu verändern oder gar zu retten.
In diesem gesellschaftlichen Klima hat Britta Söldner zusammen mit ihrem Geschäftspartner Babak Hamwi  eine Firma gegründet, die sich die Brücke nennt und sich nach außen hin als psychotherapeutische Praxis tarnt. Nicht einmal Brittas Mann Richard weiß, womit Britta und Babak so viel Geld verdienen. Besonders glücklich ist Britta bei all dem aber nicht. Sie hat erhebliche gesundheitliche Probleme und ist völlig überarbeitet. Die Lage spitzt sich zu, als ein stümperhaft durchgeführtes Attentat in Leipzig zeigt, dass die Brücke Konkurrenz bekommen hat und man sie aus der Reserve locken will. Britta und Babak versuchen herauszufinden, wer dahintersteckt und geraten in Gefahr.
Zehs düstere Zukunftsvision bietet viel Stoff zum Nachdenken, zumal sie Tendenzen der Gegenwart aufgreift und fortschreibt. Der Brexit ist vollzogen, weitere Staaten sind aus der EU ausgetreten und haben das Konzept vom vereinten Europa zum Scheitern gebracht. Können wir die Entwicklung noch aufhalten, verhindern, dass wir und unsere Kinder perspektivlos mit leeren Herzen leben? Überlassen wir die Welt gefährlichen Autokraten? Der spannende, auch sprachlich überzeugende Roman fordert uns auf, wieder Ziele – und zwar nicht nur materieller Art - im Leben  zu haben und dafür zu kämpfen. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
22.11.2017, cosmea
full star full star full star full star full star full star empty star   Die Brücke
Es ist schwer zu diesem Buch eine Rezension zu schreiben ohne zuviel zu verraten.
Die Geschichte spielt in der Zukunft im Jahr 2025. Eine Partei namens BBB hat die Macht übernommen und deshalb haben Britta und ihr Geschäftspartner Babak ein Unternehmen gegründet um dieses System zu bekämpfen. Was genau hinter dem Unternehmen steckt wissen weder Freunde noch Familie. Denn es ist ein Geschäft mit dem Tod das besser nicht an die Öffentlichkeit gerät. Doch wie das so ist mit lukrativen Geschäften, es ruft Neider und Gegner auf den Plan. Das müssen auch Britta und Babak erfahren. Plötzlich ist ihr eigenes Leben in Gefahr und sie müssen eine Entscheidung treffen, die nicht nur für sie Leben oder Tod bedeutet.

Ich bin bei diesem Buch echt hin und hergerissen ob es mir gefällt oder eine nur eine total abstruse Story ist.
Man möchte sich so ein Szenario gar nicht vorstellen, aber irgendwie schafft es die Autorin kleine Zweifel zu säen, so dass man es doch nicht ganz ausschließen kann. Wir wissen alle nicht was die politische Zukunft für uns bereit hält und in den letzten Jahren sind Dinge passiert, die ich auch nie für möglich gehalten hätte. Deshalb regt das Buch letztendlich doch zum Nachdenken an.
Mit Britta und Babak habe ich gehadert. Wenn man erfährt was genau die Brücke ist und womit sie so viel Geld verdient haben, dreht sich einem der Magen um. Gegen Ende stellt sich dann ein Fünkchen Sympathie ein, aber das ändert nichts an meinem Gesamtbild der beiden. Als Freunde möchte ich sie nicht haben.
Ganz überzeugt hat mich das Buch nicht, da es teilweise doch schon mal den Spannungsbogen verliert. Trotzdem finde ich dass es ein Buch ist das gelesen werden sollte da es zum Nachdenken anregt.
19.11.2017, Tamaru
full star full star full star full star full star full star empty star   gesellschaftspolitischer Roman
Braunschweig in der nahen Zukunft! Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi haben ein Unternehmen, dass sie Die Brücke nennen. Es ist eine Heilpraxis für Suizid-Prävention, die aber nebenbei Selbstmordkandidaten als Attentäter vermitteln. Dieses ungewöhnliche Geschäftsmodell ist eine lukrative Sache.
Was für eine Idee für ein Romanthema! Zynisch und abgedreht!
Nach Außen hin führen sie ein bürgerliches Leben. Britta hat Mann und Kind und Freunde. Ihre Praxis gilt als vorbildlich.

Das System gerät aber anscheinend langsam in eine Schieflage. Britta steht unter Druck, hat Bauchschmerzen und Stress mit ihrem Mann.
Mit der jungen Julietta haben sie dann erstmals einen weiblichen Kandidaten im Programm und die bisherigen Regeln wanken.
Im Team kommt es zu Spannungen, da berufliches und privates vermischt wird. Zudem gibt es plötzlich erstmals Konkurrenz.

Der Roman lässt sich gut lesen, man kann sich kaum losreißen.  Paradoxerweise ist man trotz des moralischen Dilemmas nah an den Figuren dran. Die sind ziemlich verpeilt, Britta glaubt wirklich, das ihre Tätigkeit die Welt besser macht. Allerdings gibt sie zu, nicht zu den Guten zu gehören.
Das man selbstmordgefährdete Menschen so steuern kann, wie Juli Zeh uns weiß machen will, glaube ich kaum. Die politisch irregeleitete Einstellung der Menschen kann man aber nachvollziehen.

Fazit: eigentlich unglaubwürdig und eine Kopfgeburt und doch bleibt ein ambitionierter gesellschaftspolitischer Roman.
13.11.2017, yellowdog
full star full star full star empty star empty star empty star empty star   Diese Leere lässt viel Raum für Erschreckendes
Der erste Eindruck des Buches ist durch den geriffelten Einband haptisch angenehm. Die Covergestaltung veranschaulicht den Titel durch die Grundierung Weiss. Sparsame dunkelblaue Kleckse wie Tintenflecke verweisen auf einen späteren Teil des Geschehens, nämlich das Tattoo mit dem Schriftzug «Leere Herzen», welches die Mitglieder der geheimen Parallelarmee auf ihrer Haut tragen.
Zum Inhalt: Das Deutschland einer nahen Zukunft, Angela Merkel muss abtreten, die politischen Strukturen verschieben sich in eine gänzlich andere Richtung. Auch das Geschäft mit dem Tod nimmt neue Ausmasse an, und nicht nur das Unternehmen von Britta Söldner und Babak Hamwi, «Brücke», gut verborgen unter dem Deckmantel der Psychotherapie, verdient daran.
Ich habe mich beim Lesen gefragt, ob die geschilderte Vorgangsweise, im Netz nach Suizidwilligen zu fischen, nicht auch bei der Suche nach Selbstmordattentätern bereits praktiziert wird. Fürs erste steht die typische Kleinbürgeridylle im Vordergrund, doch bald schon öffnen sich Abgründe, die mit fortlaufender Handlung immer tiefer werden.
Juli Zeh scheut sich nicht, gerade solche Themen aufzugreifen, die in der heutigen Wohlstandsgesellschaft und in der Komfortzone der Demokratie mehr oder weniger zu den Tabus gehören. Das war in jedem ihrer bisherigen Bücher so, macht sie einzigartig und begründet ihren grossen Erfolg.
Bei ihr haben die Namen der Protagonisten stets etwas zu bedeuten und weisen auf die innere Person und Bedeutung ihrer Träger hin. In welchen Diensten steht Britta Söldner? Babak wiederum bedeutet «kleiner Vater». Nach meiner Meinung gibt es dazu mehr als nur eine Lösung, und der Leser ist aufgefordert, auch ein Denker zu sein.
Zehs Protagonisten sind aber keine Helden, und sie versucht nicht, ihnen eine sympathische Seite zu verleihen. Ja es scheint so, als sei die Autorin selbst ihr bester Feind. Es entsteht gar keine Nähe zum Leser, und dieser ist wohl in den meisten Fällen froh, aussen vor bleiben zu dürfen.
Juli Zehs Sprache ist klar, provozierend, manchmal lakonisch und kalt. Elegant zerpflückt sie die Selbsttäuschungen der Gesellschaft, der unteren wie der oberen. Zu Beginn der Kapitel hingegen strotzt der Text nur so von übersättigenden Adjektiven. Die geschilderten Fakten wiederum verstören und schockieren, doch der Leser weiss: So weit hergeholt sind sie nicht.
Die beschriebene Welt ist nicht nur eine fiktive, sondern möglicherweise bald schon existierende. Denn wenn sie sich erst in den Gedanken der Leser festgesetzt hat, ist die Realität nicht mehr weit.
Dabei begibt sich die Autorin in die illustre Nähe von internationalen Grössen wie Orwell, Houellebecq und Eggers. Gewagt? Ich finde, Zeh kann sich neben ihnen behaupten, denn man muss über ein reiches Innenleben verfügen, um über leere Herzen schreiben zu können.    
Bei den letzten Seiten des Werks angekommen, atme ich erstmal kräftig und befreit durch. Die Figuren lasse ich gern im Buch zurück.
10.11.2017, Emmmbeee

Klappentext

Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, "Die Brücke", die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der "Brücke" steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.

Als die "Brücke " unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr...

"Leere Herzen" ist ein provokanter, packender und brandaktueller Politthriller aus einem Deutschland der nahen Zukunft. Es ist ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie. Und es ist zugleich ein verstörender Psychothriller über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.

Autoreninformationen

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) sowie dem Literaturpreis der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt (2017).

Artikeldetails

EAN / 13-stellige ISBN 978-3630875231
10-stellige ISBN 3630875238
Verlag Luchterhand Literaturvlg.
Sprache Deutsch
Editionsform Hardcover / Softcover / Karten
Einbandart Gebunden
Erscheinungsdatum 13. November 2017
Seitenzahl 350
Format (L×B×H) 22,2cm × 14,6cm × 3,4cm
Gewicht 573g
Warengruppe des Lieferanten Belletristik - Erzählende Literatur
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