Fragen und Antworten zum Bahnhofsprojekt | buch7 – Der soziale Buchhandel
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Fragen und Antworten zum Bahnhofsprojekt

November 2020 · Das Was-Wie-und-Warum zum Kulturbahnhof

FAQ – Fragen zum buch7-Kulturbahnhof

0) Was ist der buch7-Kulturbahnhof?

Der buch7-Kulturbahnhof ist eine Idee aus dem buch7-Team. Er ist eine eigenständige gemeinnützige GmbH, die das Bahnhofsgebäude in Langweid für 99 Jahre auf Erbpacht von der örtlichen Kommune übernommen hat. Ziel ist es, dieses Gebäude zu erhalten und zu einem Kultur- und Begegnungszentrum auszubauen. Während die beiden Obergeschosse als Büro und Wohnung vermietet werden, um den Betrieb mit zu finanzieren, befindet sich im Erdgeschoss ein Mehrzweckraum, der kombiniert als Buchladen, Bio-Café und Veranstaltungsraum (z.B. für Kultur- und Bildungsveranstaltungen) genutzt wird.

1) Warum ist die Spendensumme mit 333.333€ für den buch7-Kulturbahnhof so hoch?

Zum Glück ist der buch7-Kulturbahnhof kein Berliner Flughafen, aber Bauen ist heute leider teuer. Das gilt besonders, weil es sich um ein über hundert Jahre altes historischen Gebäude handelt, das zudem noch gewerblich genutzt wird, weshalb auch die staatlichen Anforderungen, z.B. für den Brandschutz, entsprechend hoch sind. Zudem haben wir versucht, die wertvolle historische Substanz nicht mit heute üblichen Materialien wie Styropor oder Gipsputz zu „verschandeln“, sondern haben – wo technisch und mit geringem Mehrpreis möglich – traditionelle und nachhaltige Materialien wie z.B. Kalk- oder Lehmputz oder Holzfaserdämmung verwendet, was gleichzeitig noch unseren CO2-Fußabdruck deutlich gesenkt hat. Trotzdem bewegen wir uns bei den Baukosten für eine Gewerbeimmobilie im üblichen Rahmen, was z.B. durch Entgegenkommen der Handwerker bei den Preisen für das gemeinnützige Projekt und vor allem durch sehr viel ehrenamtlichen Einsatz aus dem Team möglich war. Nicht zuletzt steht der Bahnhof schon über 100 Jahre und wir hoffen, dass er auch in 100 Jahren noch steht, von daher sind diese hohen Investitionen auf die lange Nutzungszeit verteilt zu sehen und dann pro Jahr gerechnet durchaus im Rahmen.

1a) Fördert buch7 jetzt nur noch den Bahnhof und keine anderen Projekte mehr?

Nein, sicher nicht. Selbst in der Hochphase der Renovierung, als das Geld knapp wurde, haben wir auch weiter an andere Projekt gespendet, wenn auch vorübergehend in etwas langsamerem Tempo. Der Großteil der Renovierung ist jetzt (Stand September 2020) vorbei. Wir wollen den buch7-Kulturbahnhof, der ja auch unseren Namen trägt und damit die Botschaft von buch7 verbreitet, zwar auch in Zukunft weiter fördern, aber diese Förderung soll nur einen Bruchteil der Förderung für andere Projekte ausmachen, die auch in Zukunft unser Hauptanliegen sind.

2) Warum musste buch7 überhaupt und gerade jetzt die Renovierung eines Bahnhofs sponsern?

Gute Frage, denn wir haben definitiv nicht vor, jetzt einen Bahnhof nach dem anderen zu renovieren. Tatsächlich waren wir auf der Suche nach Büro- und Ladenräumen in der Nähe. Auch für Autorenlesungen waren wir auf der Suche nach einem Veranstaltungsort. Der Bahnhof in Langweid hat sich deswegen so angeboten, weil er keine hundert Meter von unserem bisherigen Firmensitz entfernt ist. Außerdem stand er seit Jahren leer, so dass die historisch wertvolle Bausubstanz schon akut gefährdet war (z.B. undichtes Dach, verrottete Deckenbalken, Holzbock (= großer Holzwurm) im Dachstuhl). Wenn wir da in unmittelbarer Nähe zu unserem Standort nicht aktiv geworden wären, wäre der noch im Königreich Bayern vor über 100 Jahren erbaute Bahnhof, der schon zwei Weltkriege (und noch schlimmer: die Renovierung in den 60er-Jahren) überlebt hat, am Schluss mangels Nutzung abgerissen worden, wie z.B. der benachbarte Bahnhof in Gersthofen. Wer sonst, wenn nicht wir, als unmittelbar benachbartes, gesellschaftlich engagiertes Unternehmen, hätte hier aktiv werden sollen?

Aber keine Angst, wir haben keine Pläne, andere benachbarte Bahnhöfe zu renovieren, einer reicht uns (auch von der Arbeit her…).

3) Aber was bringt dieser Bahnhof jetzt für buch7 und die Unterstützer von buch7?

Erst einmal erhalten wir ein wertvolles historisches Gebäude und führen es in eine dauerhafte gemeinnützige Trägerschaft für die nächsten knapp 100 Jahre. Darüber hinaus bringt der Bahnhof eine Reihe von Vorteilen für buch7 und unsere zukünftige Arbeit :

(a) Mit inzwischen 14 Mitarbeitern (Stand September 2020) kann man buch7 kaum noch vom Küchentisch zu Hause aus organisieren. Tatsächlich war das bis vor einem Jahr aber noch der Fall: Bei der Gründung als Studentenprojekt war klar, dass wir uns teure Büromieten sparen und lieber mehr spenden. Das haben wir auch bis zum Jahresumsatz von über 1 Million und bis zur Größe von 10 Mitarbeitern ausgehalten. Ab 2018 war aber klar, dass das keine Dauerlösung ist und auch, dass im bisher mitgenutzten Wohnhaus der Gründer Carmen und Benedikt Gleich der Platz auf Dauer nicht reicht. Im buch7-Kulturbahnhof konnten wir inzwischen unsere frisch renovierten Büroräume beziehen und so einen ressourcenintensiven Neubau auf der grünen Wiese oder den Umzug in ein gesichtsloses Gewerbegebiet vermeiden. Da am Bahnhof in Langweid noch mehrmals pro Stunde in jede Richtung Züge anhalten, sind wir so im Blick der Öffentlichkeit – wie wir es uns wünschen – und nebenbei optimal erreichbar. Unsere Zugstrecke ist übrigens eine elektrifizierte ICE-Strecke, so dass man nicht nur umweltfreundlich anreisen kann, sondern auch viele Pendler den buch7-Kulturbahnhof bei der Vorbeifahrt sehen können.

(b) Durch die gut erreichbare Lage und die gute Sichtbarkeit für die vielen Pendler ist der buch7-Kulturbahnhof aber nicht nur ideal für Laden- und Büroräume, sondern bietet sich auch als Veranstaltungsort an. Das Erdgeschoss ist von Anfang an als flexibler Mehrzweckraum geplant, die Tische sind klapp- und die Stühle stapelbar, so dass verschiedenste Nutzungen mit nur 10 Minuten Umbauzeit machbar sind. Inzwischen haben schon einige Autorenlesungen im buch7-Kulturbahnhof stattgefunden und wir planen – nur etwas verzögert durch die Corona-Einschränkungen – mit einem regelmäßigen Veranstaltungsprogramm mit perspektivisch wöchentlichen Terminen (momentan sind wir etwa bei einem monatlichen Rhythmus).

(c) Dabei bringen wir mit dem Bahnhof nicht nur Kultur und Arbeitsplätze aufs Land, sondern stellen gleichzeitig sicher, dass unsere Miete gut angelegt ist und nicht in Investorenhände fällt: Für den buch7-Kulturbahnhof haben wir eine eigene gemeinnützige GmbH aus dem Team von buch7.de ausgegründet. Die Gemeinnützigkeit wurde bereits vom Finanzamt anerkannt und wird regelmäßig streng geprüft. Wegen dieser Gemeinnützigkeit des buch7-Kulturbahnhofs muss buch7 auch als Hauptsponsor eine ortsübliche Miete bezahlen (ein „Rabatt“ für Sponsoren geht also hier nicht), aber diese geht auf Dauer an ein gemeinnütziges Projekt mit dem Ziel der Förderung von Kultur und Bildung. Anstatt einem Investor Miete zu zahlen, der damit noch reicher wird, fördern wir mit unserer Miete – die wir ja anderswo auch zahlen müssten, wenn wir den Bahnhof nicht gesponsert hätten – auch noch dauerhaft ein gemeinnütziges Projekt. So bleibt noch mehr von unseren Umsätzen in guten Händen.

(d) buch7 profitiert als Online-Buchhandel sehr stark von der gesetzlichen Buchpreisbindung, die ganz zentral für unsere Spenden und unser unternehmerisches Engagement ist. Dabei ist es aber der ausdrückliche Zweck der Buchpreisbindung, „die Existenz einer großen Zahl von Verkaufsstellen [zu] förder[n]“ (BuchPrG, §1). Wir waren auch bisher schon ein sehr für Umwelt und Gesellschaft engagierter Online-Buchhändler, aber haben noch nicht dazu beigetragen, die Menschen gerade auf dem Land (unser Firmensitz befindet sich im Landkreis Augsburg) mit einem lokalen Buchladen zu versorgen, wie es im Zweck des Gesetzes vorgesehen ist. Im buch7-Kulturbahnhof konnten wir jetzt endlich eine eigene kleine Buchhandlung als Ergänzung zu unserem Online-Angebot einrichten, da unser Firmensitz, Langweid am Lech, mit etwa 4000 Einwohnern (8000 mit Gemeindeteilen), bisher keine Buchhandlung hatte.

Insgesamt sehen wir den buch7-Kulturbahnhof daher als eine wirklich einmalige Gelegenheit, langfristig und dauerhaft etwas Gutes für die Region zu tun und dabei noch Ausgaben, die buch7 sowieso hätte (Miete für Büro, Laden, Veranstaltungsräume) einem guten Zweck zuzuführen. Auch wir hätten das gerne mit weniger Geld und weniger Aufwand geschafft, aber realistisch betrachtet sind solche Kosten zu erwarten und auch im Verhältnis zum Nutzen und der langen Nutzungszeit (unser Erbpachtvertrag läuft für 99 Jahre) keineswegs unüblich.

3a) Mir wäre es lieber, buch7 würde etwas für meine Region tun oder sich überall gleichmäßig engagieren.

Das ist ein verständlicher Gedanke. Seit unserer Gründung engagieren wir uns für Projekte in ganz Deutschland und darüber hinaus und achten darauf, unsere Unterstützung breit zu verteilen. Wir fördern die Projekte, bei denen wir das Gefühl haben, dass das Geld gut ankommt und möglichst viel bewirkt. Das bedeutet aber bei allem Engagement für eine breit gestreute Förderung nicht, dass wir ignorieren können, was vor Ort passiert. Unser Firmensitz, ein Dorf in der Nähe von Augsburg, kann nicht auf die Förderung durch Großkonzerne oder nationale Stiftungen hoffen. Wir empfinden daher für uns die Verantwortung, uns auch an unserem Standort zu engagieren, denn wer soll das tun, wenn nicht wir. Es ist natürlich schade, dass nicht alle unserer Unterstützer davon in gleicher Weise profitieren können (obwohl wir bereits Ideen für einen Kundendialog vor Ort im Bahnhof entwickeln). Das gilt aber tatsächlich auch für die meisten anderen Förderprojekte, die auch regional verwurzelt sind und dort ihre Schwerpunkte setzen. Daher wollen wir auch durch unser zukünftiges Engagement zeigen, dass wir die Regionen gut mischen und an vielen Orten viele kleine Leuchttürme des sozialen, kulturellen und ökologischen Engagements fördern wollen.

3b) Das ist doch überhaupt nicht der Sinn von buch7, eigene Projekte der Gründer zu fördern, oder?

Gegenfrage: Warum soll man denn als Weltverbesser nur „verbessern lassen“ und nicht selbst anpacken? Tatsächlich war es bei der Gründung von buch7 aus einem studentischen Weltverbesserer-Kreis heraus vor über 10 Jahren gerade das Ziel, mit buch7 eigene Projekte für eine bessere Welt zu finanzieren. Weil buch7 dann so viel Arbeit war (O-Ton: „Können wir die Sortimentsliste vom Großhändler nicht einfach abtippen?“ - Antwort: „Nein, sind leider 2 Millionen Produkte.“), blieb erst mal keine Zeit für weitere eigene Weltverbesser-Projekte, so dass wir diese Arbeit „outsourcen“ mussten und „nur“ das Geld für andere Projekte bereit gestellt haben.

Tatsächlich hat sich für uns aber herausgestellt, dass es ein tolles Gefühl ist, auch anderen Menschen bei ihren Weltverbesserer-Projekten zu helfen und dass die dadurch entstehende Projekt-Vielfalt durch eigene Projekte gar nicht erreicht werden könnte. Wir werden also definitiv diese Vielfalt beibehalten. Was eigene Projekte anbelangt: Nach der Gründung von buch7 hat es etwa 10 Jahre harter Arbeit gebraucht, bis wir mit dem buch7-Kulturbahnhof etwas Neues anpacken konnten. Es besteht also auch aufgrund unserer endlichen Zeit kein Grund zur Sorge, dass eigene Projekte den externen Projekten zu viel Konkurrenz machen.

3c) Aber steckt hier nicht Vetternwirtschaft dahinter, wenn Sponsoren und Empfänger die selben Leute sind?

Höchstens, wenn Vetternwirtschaft auch für Selbstausbeutung gilt…

Aber im Ernst: Ein gemeinnütziges Kultur- und Bildungsprojekt ist sicherlich nicht dafür geeignet, sich zu bereichern, zumal wenn das Finanzamt und zahlreiche idealistische Gründer intensiv darauf achten, dass alles seine Ordnung hat. Anders als bei einem normalen Unternehmen muss ein gemeinnütziges Unternehmen bei jeder Gelegenheit sicherstellen, dass niemand auch nur irgendwie einen unfairen Vorteil erlangt. Tatsächlich fließen so viele tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit in den Bahnhof, dass das niemand tun würde, der auf seinen wirtschaftlichen Vorteil achtet.

Im Gegenteil sind wir überzeugt, dass diese Konstellation dazu beiträgt, dass das Geld besonders langfristig und nachhaltig investiert wird, weil wir durch die enge Verbindung sehr genau wissen, welches Geld wofür investiert wird und damit deutlich mehr Einblick in die Mittelverwendung haben als bei den meisten anderen Spendenempfängern, wo ein detaillierter Verwendungsnachweis einen hohen Teil der Förderung wegen des damit verbundenen Verwaltungsaufwandes auffressen würde.

4) Wie war das – buch7 zahlt erst die Renovierung und dann auch noch Miete?

Ja, das ist eine der Konsequenzen der Gemeinnützigkeit. Das Gemeinnützigkeitsrecht sieht vor, dass man niemanden begünstigen, also niemandem etwas schenken oder zu günstig geben darf. Auch nicht dem Hauptsponsor. Buch7 muss also die Büros zu dem Preis anmieten, den auch irgendein anderes Unternehmen für diese Räume in dieser Lage zahlen würde. Die offiziell anerkannte Gemeinnützigkeit war uns aus zwei Gründen so wichtig: Erstens werden wir ab und zu gefragt, warum wir bei buch7 nicht 100% spenden, sondern nur 75%. Da wollten wir – wenn wir schon etwas Neues anfangen – mit unserer Ausgründung auch gleich auf 100% gehen. Zum anderen sind die Gründer des buch7-Kulturbahnhofs alle Mitarbeiter von buch7. Die Gemeinnützigkeit ist da ein wasserdichtes Werkzeug, um jede Form von persönlicher Begünstigung („Vetternwirtschaft“) auszuschließen und wird auch entsprechend streng überwacht. Immerhin hat so der Bahnhof regelmäßige und planbare Mieteinnahmen. buch7 müsste ja auch anderswo Miete zahlen und so wird auch noch sichergestellt, dass die Miete nicht bei irgendeinem Großinvestor ankommt, sondern bei einem gemeinnützigen Projekt, dass damit etwas Gutes für die Allgemeinheit tut.

4a) Warum hat buch7 den Bahnhof nicht einfach selbst renoviert und den Umweg über eine gemeinnützige GmbH und die teure Rückvermietung gewählt?

Auch hier ist die wirtschaftliche Seite ganz klar: Wir hätten uns Geld gespart, wenn wir das Gebäude selbst gepachtet und renoviert hätten. Aber mit diesem Argument könnten wir ja auch Geld sparen, wenn wir weniger spenden…

Uns ging es mit der Ausgründung des buch7-Kulturbahnhofs darum, ein eigenständiges, 100% gemeinnütziges Projekt zu schaffen, das über die Arbeit von buch7 hinaus wirkt und eigene Akzente setzt. Zudem findet auch jetzt schon im buch7-Kulturbahnhof sehr viel ehrenamtliche Arbeit statt, was in einem gemeinnützigen Projekt sehr viel besser passt als bei buch7, wo wir gerade aus Gründen der fairen Mitarbeiter-Bezahlung inzwischen keine unbezahlten Tätigkeiten mehr vorgesehen haben. Mit einer eigenen Organisationsstruktur, einem eigenen Team und auch einer eigenen Rechtsform kann der Bahnhof nach unserer Hoffnung deutlich mehr bewirken und damit die umfassenden Sponsorings noch wertvoller einsetzen. Dass wir dann in Zukunft auch noch Miete zahlen müssen, sehen wir dabei keineswegs als Verlust, sondern als Chance, auch mit den Mietzahlungen zu einem wertvollen gemeinnützigen Projekt beizutragen.

5) Die Gründer des buch7-Kulturbahnhofs sind alle Mitarbeiter von buch7 – fördere ich mit meinem Einkauf jetzt das Privatvergnügen der Mitarbeiter von buch7?

Der buch7-Kulturbahnhof ist als gemeinnützige GmbH steuerlich und moralisch so sauber, dass es schon manchmal anstrengend ist, wenn man nicht mal sicher sein kann, ob es erlaubt ist, den ehrenamtlichen Baustellen-Helfern in der Hitze einen Kasten Wasser kostenlos bereitzustellen. Anders gesagt: Wenn man sich persönlich bereichern will, ist eine gemeinnützige GmbH mehr als ungeeignet, weil man wegen der Gemeinnützigkeit ganz besonders unter Beobachtung steht und diese dem Finanzamt auch regelmäßig nachweisen muss. Gerade Geschäfte bzw. Überweisungen von der Firma zu den Gründern werden dabei besonders streng geprüft.

Dass wir uns offensichtlich mit dem Bahnhof nicht persönlich bereichern wollen, zeigen übrigens auch die hunderten, teilweise sogar tausenden Stunden, die die Gründer und weitere Helfer an ehrenamtlicher Arbeit in den Bahnhof investiert haben und noch weiter investieren.

6) Wären die Spenden bei anderen Organisationen nicht besser aufgehoben?

Natürlich gibt es sehr viele spannende Projekte, die unsere Förderung verdient haben, deswegen haben wir auch während der Bahnhofsrenovierung wie bisher diverse andere Projekte unterstützt. Aber ein Projekt mit einer Laufzeit von fast 100 Jahren zu fördern, das nicht nur ein historisches Gebäude vor dem Verfall rettet, sondern für die nächsten 100 Jahre dort Potenzial für tausende spannende Veranstaltungen und wertvolle Begegnungen zwischen engagierten Menschen schafft, ist schon eine einmalige Chance. Wir finden, dass unsere Spenden bei den vielen anderen Projekten UND bei unserem Bahnhofsprojekt gleichermaßen hervorragend aufgehoben sind, solange sie dem Ziel einer besseren Welt dienen.

7) Wäre der Erwerb einer Immobilie in einer größeren Stadt nicht besser, um mehr Menschen erreichen zu können?

Einerseits ja, aber das wäre völlig unbezahlbar gewesen. Im Vergleich zu Stuttgart 21 (nah an 10 Milliarden) oder auch dem Umbau des nahegelegenen Bahnhofs in Augsburg (weit über 100 Millionen) sind unsere Projektkosten von deutlich unter einer Million Euro eine Kleinigkeit, auch wenn das für uns immer noch sehr viel Geld (und sehr viel Arbeit) war.

Andererseits gibt es in größeren Städten meist schon viele attraktive Kulturangebote, weshalb es aus unserer Sicht besonders wichtig ist, auch auf dem Land Angebote bereitzustellen , wo oft ein Mangel herrscht, auch wenn es auf dem Land sicherlich schwieriger ist als in einer Top-Lage in der Innenstadt.

Sollten wir aber einmal so sehr im Geld schwimmen, dass wir der Stadt Stuttgart oder Augsburg ihren Bahnhof abkaufen und ebenfalls zu einem gemeinnützigen Kulturprojekt machen können, wäre das natürlich auch eine Überlegung wert ;-)

8) Wäre es nicht billiger gewesen, das Haus einfach abzureißen und neu zu bauen?

Wirtschaftlich betrachtet vielleicht schon, aber für einen Neubau an dieser Stelle hätte man gar keine Genehmigung mehr bekommen, schon alleine weil die Güterzüge die Lärmgrenzwerte überschreiten (wir haben jetzt Schallschutz-Verglasung, aber auch damit gäbe es keine Neubaugenehmigung).

Außerdem würde es gegen unsere Prinzipien der ökologischen wie kulturellen Nachhaltigkeit sprechen, ein historisch gewachsenes Gebäude mit intakter Bausubstanz abzureißen, zumal wenn dieses Gebäude eine über hundertjährige Tradition mit sich bringt.

9) Sponsert buch7 damit seine eigenen Büroräume im Kulturbahnhof?

Unsere Anschubfinanzierung hat zwar den Umbau des Kulturbahnhofs erst ermöglicht, aber für unsere dortigen Büros zahlen wir (auch schon wegen der Gemeinnützigkeit) eine ganz normale ortsübliche Miete, wie wir sie auch in anderen, nicht von uns gesponserten Büroräumen zahlen würden. Diese Miete fließt auch nicht in den Spendenzähler auf unserer Homepage ein.

Trotzdem freuen wir uns sehr, dass unsere Miete einem gemeinnützigen Projekt zu Gute kommt und nicht bei einem Investor landet, der damit nur sein Vermögen vermehrt.

10) Wäre es nicht möglich gewesen, weniger Geld in die Renovierung zu stecken?

Wir haben bei allen Maßnahmen auf sparsame und preiswerte Umsetzung geachtet, aber dabei langfristig gerechnet und an wenigen Stellen moderate Akzente im Sinn der historischen Substanz gesetzt. Wir hätten z.B. günstige Leitungen verwenden können, aber dann mit dem Risiko, dass wir sie nach 20 Jahren wieder austauschen und damit alles aufbrechen müssen. Und an einigen Stellen haben wir – aus Nachhaltigkeit und aus Respekt gegenüber dem historischen Gebäude – preiswerte ökologische und traditionelle Materialien (z.B. Kalk- und Lehmputz, Holzfaserdämmstoffe) verwendet, wo moderne Materialien (Gipsputz, Styropor) etwas günstiger gewesen wären (jedoch nicht, wenn man den ökologischen Fußabdruck mit berücksichtigt). Im Erdgeschoss haben wir mehr Aufwand als zwingend nötig in die Sanierung des Sichtmauerwerks gesteckt, so dass jetzt die Geschichte des Gebäudes auch sicht- und greifbar wird. Und wir haben auf Anraten eines Architekten einen der Bauzeit entsprechenden Bodenbelag (Terrazzo) einbauen lassen, weil modernere Böden den Baustil gestört hätten und ein klassischer Holzboden im Erdgeschoss bei Kundenverkehr sehr schnell abgenutzt worden wäre.

Zuletzt hat das ehrenamtliche Engagement des Teams sicherlich viele tausende, wenn nicht zehntausende Euro eingespart, so wurde z.B. die Terrasse auf der Westseite per Hand „ausgegraben“ und betoniert sowie in Eigenleistung gepflastert. Auch die 100 Jahre alte Massivholz-Treppe hat das Team in wochenlanger staubiger Handarbeit selbst renoviert und in neuem Glanz erstrahlen lassen. Noch günstiger wäre es also nur zu Lasten der Qualität, der historischen Substanz oder auf Kosten der Umwelt gegangen.

11) Welche Früchte soll der Kulturbahnhof dauerhaft tragen?

In unserer Vision von der Zukunft des Kulturbahnhofs gibt es drei Säulen – zum einen den Veranstaltungsraum im Erdgeschoss, der als wichtiger sozialer, ökologischer und kultureller Multiplikator zum „Weltverbessern“ dienen soll. Zum zweiten sollen das Café und der Buchladen im Erdgeschoss den Kulturbahnhof für viele Menschen nahbar machen und als eine Art Einladung für die Ideen und Prinzipien hinter dem Bahnhof dienen. Die dritte Säule ist die Vermietung der Büroräume und Wohnräume im zweiten und dritten Stock, der langfristig die finanzielle Unabhängigkeit des Kulturbahnhofs sichern soll. Oder wie es die Satzung des buch7-Kulturbahnhofs formuliert:

Der Satzungszweck soll – soweit möglich – mit Hilfe des ehemaligen Bahnhofsgebäudes der Gemeinde Langweid und dessen Ausbau zu einem Treffpunkt für engagierte Menschen mit dem Ziel der Gestaltung einer nachhaltigen, gerechten und Menschen in ihrer Selbstverwirklichung unterstützenden Welt und Zukunft realisiert werden.

Haben Sie Kritik oder Anregungen zum Bahnhofsprojekt? Schicken Sie uns gerne eine Email an feedback@buch7.






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