Die Unvernünftigen sterben aus – Peter Handke | buch7 – Der soziale Buchhandel
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Autor: Peter Handke
Autor: Peter Handke

Die Unvernünftigen sterben aus

Als Personifikation kapitalistischer Denk- und Handlungsweisen geraten szenische Porträts von Unternehmern nur allzuleicht zum monströsen Klischee perfider Unterdrückungs- und Ausbeuterpraktiken. Peter Handke entgeht dieser Gefahr, indem er seinen Personen von vorneherein einen unwirklichen, geradezu alptraumhaften Zug verleiht. Nichts macht das Ausmaß der Entfremdung deutlicher als der feinsinnige Plauderton, mit dem der Unternehmer Quitt und seine Kollegen über das Kartell der Produkte und Preise beraten. Quitt, der sich als einziger nicht an das Kartell hält, läuft am Schluß so lange mit dem Kopf gegen die Felswand, bis er liegen bleibt. Er scheint das Aussterben einer Art von Unternehmertum anzuzeigen, dessen rücksichtsloser Wille zur Profitmaximierung auch den ruinösesten Wettbewerb nicht scheut. Anstelle des Wettbewerbs tritt die Absprache. Die Märkte werden aufgeteilt, die Konkurrenz in einem vernünftigen Sinne ausgeschaltet.
Falsch wäre, Handkes Stück auf diese Botschaft zu reduzieren. Als facettenreiches Porträt zeitgenössischen Unternehmertums weist es nach, wie die ganz auf Kapital und Besitz ausgerichteten Interessen die Persönlichkeitsstruktur bis in den privatesten Bereich hinein deformieren.
Es zeigt zugleich das offenkundige Ende des Rollenbewußtseins, das Individualismus als wichtigstes Prinzip von Welterfahrung postuliert.

Taschenbuch 09/1973
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Autoreninformationen

Peter Handke wird am 6. Dezember 1942 in Griffen (Kärnten) geboren. Die Familie mütterlicherseits gehört zur slowenischen Minderheit in Österreich; der Vater, ein Deutscher, war in Folge des Zweiten Weltkriegs nach Kärnten gekommen. Zwischen 1954 und 1959 besucht Handke das Gymnasium in Tanzenberg (Kärnten) und das dazugehörige Internat. Nach dem Abitur im Jahr 1961 studiert er in Graz Jura. Im März 1966, Peter Handke hat sein Studium vor der letzten und abschließenden Prüfung abgebrochen, erscheint sein erster Roman Die Hornissen. Im selben Jahr 1966 erfolgt die Inszenierung seines inzwischen legendären Theaterstücks Publikumsbeschimpfung in Frankfurt am Main in der Regie von Claus Peymann.

Seitdem hat er mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke verfaßt, erinnert sei an: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970), Wunschloses Unglück (1972), Der kurze Brief zum langen Abschied (1972), Die linkshändige Frau (1976), Das Gewicht der Welt (1977), Langsame Heimkehr (1979), Die Lehre der Sainte-Victoire (1980), Der Chinese des Schmerzes (1983), Die Wiederholung (1986), Versuch über die Müdigkeit (1989), Versuch über die Jukebox (1990), Versuch über den geglückten Tag (1991), Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994), Der Bildverlust (2002), Die Morawische Nacht (2008), Der Große Fall (2011), Versuch über den Stillen Ort (2012), Versuch über den Pilznarren (2013). 

Auf die Publikumsbeschimpfung 1966 folgt 1968, ebenfalls in Frankfurt am Main uraufgeführt, Kaspar. Von hier spannt sich der Bogen weiter über Der Ritt über den Bodensee 1971), Die Unvernünftigen sterben aus (1974), Über die Dörfer (1981), Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land (1990), Die Stunde da wir nichts voneinander wußten (1992), über den Untertagblues (2004) und Bis daß der Tag euch scheidet (2009) über das dramatische Epos Immer noch Sturm (2011) bis zum Sommerdialog Die schönen Tage von Aranjuez (2012) zu Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße (2016).

Darüber hinaus hat Peter Handke viele Prosawerke und Stücke von Schriftsteller-Kollegen ins Deutsche übertragen: Aus dem Griechischen Stücke von Aischylos, Sophokles und Euripides, aus dem Französischen Emmanuel Bove (unter anderem Meine Freunde), René Char und Francis Ponge, aus dem Amerikanischen Walker Percy.

Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen (auch als Lyriker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur ist Peter Handke aufgetreten) erklärte er selbst 2007 mit den Worten: »Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muß durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.«

2019 wurde Peter Handke mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Produktdetails

EAN / 13-stellige ISBN 978-3518366684
10-stellige ISBN 3518366688
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Sprache Deutsch
Anmerkungen zur Auflage Nachdruck
Editionsform Taschenbuch
Einbandart Taschenbuch
Erscheinungsdatum 30. September 1973
Seitenzahl 100
Format (L×B×H) 17,7cm × 10,8cm × 0,7cm
Gewicht 102g
Warengruppe des Lieferanten Belletristik - Erzählende Literatur
Mehrwertsteuer 7% (im angegebenen Preis enthalten)
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