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Philipp Ziser im Gespräch

Juni 2017

Philipp Ziser – Mitarbeiter der Hilfsorganisation burundikids e.V., Fotograf und Autor – lebte mit seiner Frau 8 Jahre in Bujumbura, Burundi. Was ihn dorthin verschlagen hat und wie er das Leben der Menschen dort positiv verändern konnte verrät er uns hier in einem Interview.

Herr Ziser, Sie haben Geschichte und Journalismus studiert. Was hat Sie dazu bewegt, sich bei einer Hilfsorganisation zu engagieren und seit wann sind Sie dort tätig?

Schon vor dem Studium hatte ich journalistische Neugier inne. Mit dem Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, was verbunden war mit internationalen Beziehungen und Politik, wuchs außerdem das Interesse heran, über den Tellerrand zu schauen – außerhalb Deutschlands, außerhalb Europas. Da ich zudem in der Kommunikation ausgebildet war, wollte ich dieses Können und Wissen in den Dienst einer Hilfsorganisation stellen. Der Kontakt zu burundikids e.V. kam 2004 zustande, als der Verein gerade mal ein Jahr alt war. Nach Burundi selbst kam ich im Oktober 2006, wo ich für ein Jahr in einem Waisenhaus lebte. Daraufhin verlängerte ich um zwei weitere freiwillige Jahre. 2010 wurde ich dann vor Ort angestellt, um die Arbeit weiterzuführen. Und 2015 schließlich bin ich zurück nach Deutschland gezogen, wo burundikids e.V. aus der Notwendigkeit der Verantwortung für die Projekte in Burundi heraus das erste Hauptamt des Vereins geschaffen hat.

Philipp Ziser Aus welchen Gründen haben Sie sich ausgerechnet für Burundi entschieden?

Dass es Burundi wurde, war letztendlich Zufall, denn burundikids e.V. arbeitet ausschließlich in dieser kleinen ostafrikanischen Republik. Ich hatte zuvor nicht zwingend vor, nach Afrika – geschweige denn nach Burundi – zu gehen, sondern war generell weltoffen. Bei der Suche nach einer Hilfsorganisation, in deren Dienst ich mich stellen könnte, kristallisierte sich dann burundikids e.V. heraus. Und damit auch Burundi. Nachträglich bin ich sehr froh, dass es Burundi wurde. Denn die Verbindungen nach und mit Deutschland sind zahlreich und liegen auf der Hand – auch wenn sie den meisten leider unbekannt sind. Burundi war Teil Deutsch-Ostafrikas. Und Baden-Württemberg ist offizielles Partnerland Burundis. Deshalb arbeiten wir u.a. auch daran, Burundi und die Beziehungen zu Deutschland bekannter zu machen.

Sie wollten ja ursprünglich nur für einen kürzeren Zeitraum in Burundi bleiben. Wie und warum hat es sich für Sie herausgestellt, dass Sie mehr vor Ort bewegen wollen und das auch für einen längeren Zeitraum?

Philipp Ziser_2 Ursprünglich war ein Jahr in Burundi geplant. In diesem einen Jahr wohnte und lebte ich in einem Waisenhaus mit 70 Mädchen und Jungen. Tagsüber arbeitete ich an der Seite der Organisationsleitung und daran, die Öffentlichkeitsarbeit des lokalen Partners und von burundikids e.V. auf- und auszubauen. Durch mein Leben in diesem Waisenhaus wurde mir tagtäglich vor Augen geführt, für wen und warum ich das eigentlich alles mache. Daraus hat sich eine unbeschreibliche Motivation entwickelt, was sich natürlich verstärkt hat durch die verzeichneten Erfolge. Ich bemerkte – und die Verantwortlichen der Organisation glücklicherweise auch –, was ich persönlich als Beitrag leisten kann, damit es anderen besser geht. Es wäre also grob fahrlässig gewesen, nicht länger zu bleiben.

In diesem langen Zeitraum konnten Sie sicher einiges an Abenteuern erfahren! Welches Erlebnis hat Sie bisher am meisten beeindruckt oder geprägt in Ihrer Zeit in Ostafrika?

In Burundi – und auch in kurzen Abstechern in einige Nachbarländer – habe ich einiges erlebt, was mich durchaus geprägt hat. Negativ: man vergisst es nie wieder, wenn man einmal Kinder gesehen hat, die am Hungertod oder an einer chronischen Unterernährung sterben. Insbesondere nicht, wenn man sie mit Namen gekannt hat. Da wird einem mit einem Schlag die Ungerechtigkeit in dieser Welt vor Augen geführt. Vor allem, wenn man im krassen Vergleich durch unsere Supermärkte spaziert. Positiv: ich habe sehr, sehr viel gelernt in Burundi, was gegenseitigen Respekt betrifft, Offenheit, und den Willen, an sich und seinem Umfeld zu arbeiten, um bessere Zeiten herbeizuführen. Besonders beeindruckt haben mich all die Jugendlichen, viele von ihnen ehemalige Kindersoldaten oder Straßenkinder, die ihr Leben wieder in die Hand genommen haben und heute ein selbständiges Leben führen.

Durch Ihre Arbeit bei burundikids e.V. haben Sie sicherlich auch viel Anerkennung von den Menschen dort erhalten. Worauf würden Sie sagen, hatte Ihre Arbeit auf das Leben der Menschen in Burundi den größten positiven Einfluss? Wofür waren die Menschen am meisten dankbar? Oder kann man das gar nicht in einem Projekt benennen?

Philipp Ziser_2 Ich denke, es ist schwer, das an einem konkreten Projekt festzumachen. Vielmehr ist es m.E. die vielschichtige und umfassende Arbeit, die man gemeinsam verrichten kann, die positive Veränderung bringt und die Lebenssituation von vielen Menschen verändern kann. Dankbarkeit widerfährt einem natürlich viel, wobei man darauf natürlich nicht aus ist. Wenn es ein ehemaliger Kindersoldat schafft, sich selbst und sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen dank deiner Mitarbeit an einem Projekt für ehemalige Straßenkinder, dann ist das Dank genug.

Unser Prinzip ist, dass eigentlich jedem Lebensbereich die Bildung zugrundliegt. Mit Wissen kann ich mein Leben selbst gestalten und vorankommen. Und genau das versuchen wir, in vielen Schul- und Ausbildungsprojekten umzusetzen. Dabei geben wir Anstöße und Starthilfen. Wir stellen die Leiter hin. Aber hochklettern muss jeder selbst.

Herr Ziser, Sie haben ja ein Buch über Ihre Erlebnisse geschrieben. Was hat Sie dazu bewegt Ihren Alltag festzuhalten und welche Abenteuer erwarten einen darin?

Das Schreiben hatte – vorerst – zweierlei Gründe. Erstens wollte ich meine Verwandten und Freunde ein Stück weit auf dem Laufenden halten über das, was ich in Burundi erlebe. Zweitens hat es mir sehr geholfen, die unglaublich vielen, unterschiedlichen Eindrücke aus dem Kopf auszuschütten und dadurch auch zu verarbeiten, positive wie negative.

Mehr und mehr stellte sich heraus, dass mein Blog offensichtlich mehr Interessenten hatte als den bloßen Bekanntenkreis. Also nutzte ich dieses Medium auch für unsere Arbeit, um mehr über die Projekte zu informieren. Letztendlich wurde ein Verlag aufmerksam, der mir vorschlug, ein Buch auf Basis meiner Erlebnisse zu schreiben.

„Yambu!“ sind zwei Bücher, in denen ich fast alle meine Erlebnisse in Burundi von A bis Z festgehalten habe, geschrieben in der Form eines Tagebuchs. Dabei geht es nicht um eine politische oder wissenschaftliche Abhandlung, sondern um das reale Leben der Menschen in Burundi und natürlich die Erfahrungen eines weißen Mannes in diesem Land. Ich räume in den Büchern viel mit Klischees auf, beschreibe aber auch die zahlreichen Fettnäpfchen, in die ich natürlich in der langen Zeit getreten bin. Letztendlich lässt sich einiges auch übertragen auf andere Länder. Ich denke, „Yambu!“ ist generell für Afrika-Liebhaber interessant. Oder auch für Leute, die beabsichtigen, ins Ausland zu gehen und sich mental darauf einstimmen wollen.

Das klingt sehr spannend!

Haben Sie denn bereits zukünftige Projekte geplant, die Sie demnächst umsetzen möchten?

Philipp Ziser_4 Seitens der Organisation werden wir weiterhin die bestehenden Bildungs- und Ausbildungsprojekte unterstützen (alle Details auf www.burundikids.org). Dieses Jahr werden wir uns auch verstärkt im ländlichen Raum einsetzen, beim Aufbau von landwirtschaftlichen Kooperativen und Unterstützung kleinbäuerlicher Strukturen, um einen Beitrag zur Ernährungssicherheit in Burundi zu leisten. In Deutschland möchten wir weiterhin einen Beitrag leisten zur entwicklungspolitischen Bildungsarbeit, d.h. wir gehen an Schulen etc. für Vorträge zu Burundi.

Privat möchte ich unbedingt an einem weiteren Buchprojekt arbeiten. Über den Inhalt verrate ich noch nichts. Das wird jedoch noch eine Weile dauern, befürchte ich, weil die Arbeit doch sehr in Beschlag nimmt.

Vielen Dank für Ihre Zeit Herr Ziser und viel Erfolg weiterhin für Ihre Projekte! Wenn Sie mehr über die Erlebnisse von Herrn Ziser in Burundi erfahren möchten, entdecken Sie hier Yambu! Band I und Yambu! Band II , die beiden Bücher von Herrn Ziser. Philipp Ziser_3

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