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Markus Bogner im Gespräch

Februar 2017

Markus Bogner bewirtschaftet mit seiner Frau und den drei Kindern den Boarhof. Einen Bauernhof in der kleinen Ortschaft Bad Wiessee am Tegernsee. Was ihn dahin verschlagen hat, wie er vom Elektroniker zum Biobauern wurde und warum er überzeugt ist, dass niemand auf der Welt hungern müsste, erläutert er in seinem Buch „Selbst denken, selbst machen, selbst versorgen“.

Sie sind gelernter Elektroniker und haben zehn Jahre als Rettungssanitäter gearbeitet. Ihre Frau hat die Ausbildung zur Steuerfachgehilfin gemacht. Wie hat Sie Ihr Lebensweg auf einen Bauernhof geführt und zum Biobauern gemacht?

Den Impuls dazu hat sicherlich meine Frau gegeben. Damals, wir waren da noch nicht verheiratet, war sie in ihrem erlernten Beruf nicht glücklich. So hat sie ihren Job an den Nagel gehängt und einen dreimonatigen Kurs zur Persönlichkeitsbildung gemacht. Während dieser Zeit reifte in ihr der Gedanke, einen Sommer als Sennerin auf einer Alm zu arbeiten. Meine Frau stammt aus einer Landwirtschaft. Ihr Bruder hatte damals den Milchvieh-Betrieb zu Hause schon übernommen. Während dieses Sommers auf der Alm war ich oft zu Besuch dort oben. Dort lernten wir ein ganz anderes Leben kennen, als das, welches wir unten im Tal lebten. Ein Leben ohne Strom und Warmwasser. Die einzige Heizung war der Holzherd und das nächste Handy-Netz war rund acht Kilometer entfernt.

Kurzum, wir lernten ein Leben mit der Natur und unseren Tieren kennen, das sehr stark vom Wetter und vor allem von dem Verlauf der Sonne geprägt war. Und dieses Leben dort oben wollten wir nicht mehr missen. Es folgten zwei weitere Almsommer. Da waren wir dann schon verheiratet und ich war auch nicht mehr nur Besucher, sondern die ganze Zeit dabei. Immer mehr wuchs die Sehnsucht, aus diesem 100-Tage-Leben auf der Alm 365 Tage zu machen. Und so ergriffen wir die Chance, als wir die Stellenanzeige für ein Verwalterehepaar auf einem Milchvieh-Betrieb am Tegernsee gelesen hatten. Wir hatten uns beworben und wurden genommen. Fünf Jahre später haben wir diese Stelle gekündigt, ohne zu wissen, wie es weiter gehen wird. Wir hatten nur gemerkt, dass wir unsere eigene Kreativität dort nicht mehr so leben konnten, wie wir es gerne getan hätten. Nur wenige Wochen nach unserer Kündigung wurde uns der Nachbarhof, der Boarhof, auf dem wir seit fast neun Jahren leben, zur Pacht angeboten.

Natürlich haben wir schon von den Erfahrungen meiner Frau auf dem elterlichen Hof profitiert. Das Allermeiste von dem, was wir heute wissen, haben wir uns allerdings selber angeeignet. Wir haben uns sehr viel angesehen und viel daraus gelernt – von dem wie wir es selber gerne hätten genauso, wie von dem, wie wir es selbst nicht wollen.

Markus Bogner

Herr Bogner, es gelingt Ihnen den Boarhof mit „nur“ 10 Hektar im Vollerwerb zu bewirtschaften. Dabei haben Sie zu genüge gehört, dass das gar nicht funktionieren kann. Wie schaffen Sie es trotzdem?

Ich erschrecke jedes mal wieder, wenn ich die „10 Hektar“ höre. Das hört sich für mich nämlich so viel an. Ginge es nach den offiziellen Lehrmeinungen, wären 10 Hektar viel zu wenig, um davon leben zu können, geschweige denn im Vollerwerb und erst recht nicht , wenn es ich um 10 Hektar Wiesen handelt, anstatt um Ackerland.

Von diesen 10 Hektar Wiesen haben wir rund zwei Hektar in Ackerland umgewandelt. Auf diesen 20.000 Quadratmetern wächst alles, was wir als Familie zum Leben brauchen. Es ist sogar viel zu viel für uns alleine, sodass wir die Überschüsse in unserem Hofladen und einem kleinen Café vermarkten. So haben wir auch unser wirtschaftliches Auskommen. Das eigentliche „Geheimnis“ liegt allerdings darin, dass wir erstens alles, was wir herstellen, ausschließlich in unserem Hofladen verkaufen und zweitens den Großteil der Produkte weiter verarbeiten zu Marmeladen, Sirups, Säften, Chutneys, Kuchen, usw. In dieser Veredelung der Urprodukte verbirgt sich auch eine deutlich höhere Wertschöpfung einerseits, und die Möglichkeit nahezu 100% der Früchte zu verwerten. Was in einer Gärtnerei auf dem Kompost landet, weil es nicht schön genug ist, wird bei uns veredelt und erzielt einen höheren Preis, als die schöne Frucht beim Gärtner. Der zweite wichtige Punkt ist der, dass wir uns bei den beiden möglichen Grundhaltungen im Leben „GENUG“ und „IMMER MEHR“ für die erste entschieden haben. Der Philosoph Seneca hat sinngemäß einmal geschrieben: „Niemals kann zu wenig sein, was genügt“.

Auf Ihrem Hof orientieren Sie sich an planetaren Konstellationen und richten sich größtenteils nach dem Aussatkalender der Maria Thun. Wie würden Sie die dahinterstehende Denkweise beschreiben?

Alles hängt mit Allem zusammen. Mensch – Tier – Pflanze – Wasser – Erde – Luft – Feuer – Blatt - Blüte – Wurzel – Frucht, und auch das Nichts-Tun. Wenn der Mond in er Lage ist, Ebbe und Flut zu „machen“, so ist es für uns nur logisch, dass die Planeten auf Lebewesen und Elemente, die allesamt auch zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, ebenfalls einen Einfluss haben.

Über die Zeit haben Sie den Boarhof unter anderem um einen Hofladen erweitert. Was können Ihre Kunden dort alles erstehen?

Der Hofladen was das Allererste, was wir am Boarhof gebaut haben. Schon von Anfang an, haben wir unsere gesamten Überschüsse dort verkauft. Der Schwerpunkt lag von Anfang an auf unserem Bauernbrot aus dem Holzofen. Das Brotsortiment hat sich seither ständig erweitert. Und auch die Produkte aus unserem Obst- und Gemüsegarten waren in veredelter Form von Anfang an mit dabei. Ergänzt hatten wir das Angebot mit Produkten regionaler Bauern und und Handwerker. Diese Jahr wollen wir das Gemüseangebot erweitern und auch vermehrt Frischgemüse und -obst anbieten. Allerdings nur lauter alte Sorten.

Nun kommen wir aber mal zu Ihrem Buch :) Darin treffen Sie die Aussage, dass wir Nahrung für mindestens zehn Milliarden Menschen produzieren. Da stellt sich mir die Frage, warum so viele Menschen auf unserem Planeten hungern müssen?

Dieser Hunger ist für unser Leben in den sogenannten hochentwickelten Ländern existenziell wichtig. Wir leben weit über dem Maß, was uns zur Verfügung stünde. Deshalb brauchen wir natürlich wen, dessen Existenzgrundlage wir mit „ver-konsumieren“ können. Viel wichtiger ist allerdings, dass die Lüge unbedingt aufrecht erhalten bleibt, dass wir die industrielle Landwirtschaft dringend brauchen, um den Hunger bekämpfen zu können. So können wir Gentechnik in der Landwirtschaft, Hybridsaatgut, Massentierhaltung, riesige Betriebe mit noch viel größeren Maschinen hervorragend rechtfertigen. Gäbe es den Hunger nicht mehr – würden die Lebensmittel gerecht verteilt – fiele auch das einzige Argument für eine solche Landwirtschaft schlagartig weg. Und da haben ganz viele große Konzerne gehörig was dagegen.

Selbst denken, selbst machen, selbst versorgen

Wie der Titel schon schließen lässt, haben Sie Ihr Buch dreigeteilt: Beim „selbst denken“ schneiden Sie Themen wie Weltbevölkerung, Menschenwürde, Saatgut und Lebensmittelverarbeitung an. Zum „selbst machen“ bieten Sie die Möglichkeit als Hobbybauer Ihren Hof kennen zu lernen. Und beim „selbst versorgen“ lernt der Leser den eigenen Garten anzulegen, bewusst einzukaufen sowie Lebensmittel haltbar zu machen. Was wollen Sie uns mit Ihrem Buch besonders mitgeben? Was liegt Ihnen am Herzen?

Das lässt sich mit zwei Wörtern unmissverständlich sagen: „Hirn einschalten!“. Ich will die Leser ermutigen, viel mehr in ihrem Leben zu hinterfragen. In meinem Buch stelle ich ein kleines Dreieck in den Mittelpunkt. Die drei Ecken: Ökonomie, Ökologie und soziales Miteinander. Jeder sollte sich mal fragen, wo er oder sie zwischen diesen drei Punkten selbst steht. Je mittiger wir uns in diesem Dreieck bewegen, umso näher sind wir an dem, was wir als “das gute Leben“ bezeichnen. Meine Vision von der Welt ist die, in der sich alle Menschen ziemlich in der Mitte dieses Dreiecks bewegen. Und ich bin der 100%igen Überzeugung, dass dies möglich ist und der Weg dort hin viel kürzer ist, als wir glauben.

Als es darum geht Wissen weiter zu geben, schreiben Sie: „Durch unser eigenes Tun wissen wir, dass das gute Leben für alle möglich wäre, dass es möglich wäre, alle Menschen auf unserem Planeten mit hochwertigen, ökologisch produzierten Lebensmitteln zu versorgen.“ Verraten Sie uns wie! Wie kann jeder seinen Beitrag leisten mit Einfamilienhaus oder Stadtwohnung?

Wie gerade schon gesagt, hilft mir persönlich dabei dieses Dreieck immer wieder.

Die GfK, die Gesellschaft für Konsumforschung hat einmal errechnet, dass wir jährlich im Schnitt 14.000 mal etwas konsumieren. 14.000 mal im Jahr entscheiden wir uns für etwas und folglich gleichzeitig auch gegen etwas. Und diese Entscheidung hat immer irgendwelche Konsequenzen. Egal, ob ich einen Bauernhof am Tegernsee bewirtschafte oder im 14. Stock im Berlin Mitte wohne und nicht einmal einen Balkon habe – ich kann mich 14.000 mal im Jahr für das „gute Leben“ entscheiden, oder dem Mainstream nachlaufen, der uns diese 14.000 Entscheidungen gerne abnehmen würde.

Ein Beispiel zum Schluss: Sie kaufen künftig Milch und Eier nicht mehr im Supermarkt. Suchen Sie sich einen Bauern, oder eine Bäuerin in Ihrer Nähe und übertragen ihm/ihr (quasi per Direktmandat) die Verantwortung für einen Teil Ihrer persönlichen Ernährung. Im Gegenzug übernehmen Sie einen Teil der Verantwortung für den Lebensunterhalt der bäuerlichen Familie. Plötzlich kommen Sie auch ins Gespräch mit den Bauern. Sie erfahren, welche Schwierigkeiten die Erzeugung von Milch oder Eiern mit sich bringt. Dann sagen Sie dem Bauern, wie Sie die Hühner und Kühe gerne gehalten hätten. Dann werden Sie erfahren, dass die Bauern ihre Tiere ja gerne so halten würden, wie Sie das auch wollen, der Kostendruck sie aber zwingt, es anders zu tun.

Dann suchen Sie sich ein paar Freunde, die der Bauernfamilie ebenfalls die Verantwortung für einen Teil ihrer Ernährung übertragen und im Gegenzug auch die Verantwortung für einen Teil des bäuerlichen Einkommens tragen. Alle wissen, dass es wohl ein kleines bisschen teurer sein wird, die Tiere so zu halten, wie es alle gerne hätten. Aber im gegenseitigen Gespräch ist das plötzlich auch kein Problem mehr. Und auf einmal stellt der Bauer Ihres Vertrauens seine Tierhaltung um. Der erste Schritt in Richtung “gutes Leben für alle“ ist getan. Nun suchen Sie sich mit Ihren Freunden und der Bauernfamilie zusammen einen Gemüsebauern in ihrer Nähe, dem Sie die Verantwortung für einen weiteren Teil Ihrer Ernährung übertragen …..

Lieber Herr Bogner, vielen herzlichen Dank für das Interview und dass Sie sich die Zeit dafür genommen haben.

Zum Schluss unser Tipp für Sie, liebe Leser: Begleiten Sie auf Seite 78 den Lastwagenfahrer Thomas Müller auf seiner Reise zum Kartoffelwaschen nach Italien. Spätestens nach dieser Geschichte fragt man sich, was läuft hier nur schief. Das Werk des Autors finden Sie hier bei uns.

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